Mein Opa, Arthur R.

Mein Opa, Arthur R. ist 85 Jahre alt und hat Alzheimer. Er wohnt im Erdgeschoss unseres Hauses und sorgt immer wieder für Turbulenzen. Er verwechselt viel und kann sich in seinem Leben kaum noch orientieren. Manchmal sieht eine „ganz normale Nacht“ bei uns so aus:

Es ist 2.45 Uhr, also mitten in der Nacht und plötzlich höre ich meinen Opa singen. Keine 10 Minuten später ruft mein Opa nach seiner Mama.

Ich: „Opa was ist denn? Komm doch in mein Zimmer.“

Da steht er auch schon, bis zum Hals eingemummelt, als würde er zu einer Exkursion in die Antarktis aufbrechen. Er trägt 5 Hemden übereinander. Die Taschen seines Mantels sind voll gepackt mit Geschirr, Zahnbürste, Handtüchern und jeder Menge anderem Zeug. Zugehalten wird das Ganze von mehreren Gürteln, die er über den Mantel geschnallt hat.

Opa: „Mädchen, wo ist meine Mama? Ich brauche ihre Hilfe!“

Ich: „Opa! Deine Mama ist seit mehr als 30 Jahren tot. Würde sie noch leben, wäre sie jetzt schon über 100 Jahre alt!“

Opa überlegt:„Hmm. Stimmt.“ Im nächsten Moment hat er es aber schon wieder vergessen: „Wo ist meine Mama? Ich brauche eine Tasche für meine Schulbücher. Ich muss mich beeilen, ich muss zur Schule!“

Ich: „Opa Arthur, in deinem Alter geht man nicht mehr zur Schule. Du kannst also ausschlafen, geh bitte wieder runter in dein Bett.“

Da mein Opa nicht von alleine geht, bringe ich ihn in sein Zimmer, ziehe ihn aus, Windelhose und Schlafanzug an und lege ihn ins Bett. Dann versuche ich ein paar Stunden zu schlafen. Denn es wird nicht lange dauern, da wird mein Großvater wieder ruhelos im Haus umherstreunen und laut Geschichten erzählen. So macht mein Opa eine Menge Ärger, aber ich bin froh, dass ich ihn habe. Ich liebe ihn über alles und deshalb macht es mir auch nichts aus, ihm zu helfen und für ihn da zu sein – so wie er es früher für mich war.

Jana B., 14 Jahre, Gymnasium Johanneum in Homburg

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